06.05.2013 | Ein Garten voller schöner Texte

Sie zupft Unkraut, schneidet Buchskugeln und textet Websites. Die selbstständige Texterin und Werberin Brigitte Baur arbeitet nicht nur an der Ästhetik ihrer Texte, sondern...

25.04.2013 | CAS Texter: Von Goethe bis Lady Gaga

Sie verstehen den tieferen Sinn von Goethes Gedichten, wissen über Lady Gagas Herbstgarderobe Bescheid und kennen die Lebensqualität im neuen Löwenbräu-Areal.

E-Mail:
Passwort:
Auto-Login:
Password vergessen » 

Textagentur-News

DONNERSTAG, 31. MAI 2012 | RSS Feed

Konrad Stokar: Bücher, Bühnen und eine alte Schreibmaschine

Aus dem Beruf eines PR-Redaktoren:
Konrad Stokar: Bücher, Bühnen und eine alte Schreibmaschine

Der grosse Kronleuchter erlischt und der Saal hüllt sich in Dunkelheit. Das Publikum wird still, die Tanzaufführung beginnt. Die Scheinwerfer an der Decke strahlen einen Lichtkegel vom Bühnenrand zur Mitte der Tanzfläche und bescheinen die schwarzen Dielen mit warmem Licht. Die Tänzerinnen und Tänzer erscheinen auf der Bühne – ein Mann bewegt sich im Rollstuhl. Unter den Tänzern ist auch Konrad Stokar. Historiker, integrativer Tänzer, PR-Redaktor.

Der integrative Tanz ist Konrads grosse Leidenschaft. Vor 14 Jahren hat er den Verein BewegGrund mitgegründet. Der Verein veranstaltet Tanz-Workshops für behinderte und nicht behinderte Tänzerinnen und Tänzer und bringt sie auf der Bühne zusammen. Dieser Austausch fasziniert Konrad. Es begeistert ihn, sich tänzerisch auszudrücken. Aber nicht nur mit dem Körper, auch mit Worten. So liebt Konrad auch das Schreiben. Und das schon seit der Primarschule.

Auf einer alten Schreibmaschine – Marke Underwood – hatte er ganze SJW-Heftchen abgetippt. Zeile um Zeile. Später begann er, sich eigene Geschichten auszudenken und aufzuschreiben. Das blosse Abschreiben hatte ihm nicht mehr Genüge getan. Besonders intensiv widmete sich Konrad dem Schreiben während seines Studiums. Er studierte Geschichte sowie russische Sprach- und Literaturwissenschaft. Seine redaktionelle Tätigkeit nahm damals ebenfalls ihren Lauf – er redigierte Lizenziats-Arbeiten und Dissertationen seiner Freunde. Konrad kontrollierte, ob sich ein roter Faden durch die Arbeit zog, notierte Kommentare zu unklaren Sätzen an den Seitenrand und achtete auf die Logik. So begann Konrads Kampf gegen den Wortballast.

Unnütze Wörter streicht Konrad lustvoll und radikal. Heute konsequenter als früher. „Seit dem PR-Redaktor-Studium plane ich genau, welche Erzählperspektive ich einnehme“, meint Konrad. Das ist ihm besonders wichtig. Vor allem für einen seiner aktuellen Artikel, den er für einen Sammelband über zeitgenössischen Tanz geschrieben hat. Es ist ein Porträt von der künstlerischen Leiterin des Berner Tanzprojekts BewegGrund. Das Spezielle daran: Es geht im Text um diese aussergewöhnlichen Momente, die Tanzende erleben, wenn sie sich gänzlich der Musik und den Bewegungen hingeben. Und die selbst für einen ausgezeichneten PR-Redaktoren und leidenschaftlichen Tänzer wie Konrad schwierig sind, in Worte zu fassen.

Solche Texte lassen Konrad nachts nicht schlafen. Nicht, weil er das kritische Urteil fürchtet, sondern weil die spannende Auseinandersetzung mit jeden einzelnen Wort, mit jeder Silbe für ihn fast nie zu Ende ist. Wenn Konrad schreibt, erlebt er Glücksgefühle, ganz ähnliche wie beim Tanzen. Wenn die Beleuchtung im Saal erlischt und die Tanzvorführung beginnt.






Nachrichten vom Mittwoch, 30. Mai 2012




Archiv »